14. April Palm Spings-Mecca- Painted Canyon

Nach dem Frühstück fahren wir Richtung Mecca. Dank tablet werden wir gut navigiert. Unser durstiger JeepCIMG0136braucht Benzin und wir stellen uns ziemlich unbeholfen an. Wir wissen keinen Postleitzahlencode und der Tankvorgang wird abgebrochen. Am Schalter kaufe ich für 30 Dollar Benzin, das reicht gerade mal für den halben Tank. Wir finden den Canyon nicht und fragen bei einer mexikanischen Familie nach, denn Mecca ist fest in mexikanischer Hand. Der kleine Sohn wird gerufen und soll übersetzen, aber auch er hat noch nie etwas vom Painted Canyon gehört.(dabei wohnen sie im Painted Canyon Komplex). An der Tankstelle hilft man mir weiter und sagt, dass man 4 Rad braucht, um nicht stecken zu bleiben. Haben wir natürlich mit unserem Jeep und der Canyon ist ganz in der Nähe.Über die Dirt Road fahren wir komplett mit 2 Rad Antrieb durch die verschiedenen Schluchtwände bis zum Parkpatz direkt am Canyon. Wir sind nicht die einzigen. Viele Autos stehen dort und auch auf dem Weg durch den Canyon sind einige Wanderer unterwegs. CIMG0156

Wie folgen dem Steinpfeil und klettern behände in den Seitenarm des Canyons. Über mehrere Leitern DSCN0182geht es in dem Slot bergauf und irgendwann stehen wir oben auf dem Canyon und lassen uns fotografieren. DSCN0185Dem Rundweg folgend und nach dem Weg fragend geht es über den Rand des Canyons wieder hinab. Eine Pause im Schatten nach1, 5 Stunden Wanderung und weiter geht’s. Drei Leute kommen uns entgegen und fragen nach dem Weg aus dem Canyon. Wir zeigen und beschreiben den Weg und gehen weiter durch den Canyon Richtung Parkplatz. An einer Gabelung sehe ich eine große Leiter und wir klettern auch dort eine CIMG0161Leiter nach der anderen hoch, höher und gefährlicher als der Beginn der Wanderung. Wir stehen wieder in einem Slot Canyon. Marcus will lieber einen Umweg in Kauf nehmen als noch einmal über die gefährlichen Leitern zurück zu klettern. Irgendwann schalten wir den Tablet ein, um uns über GPS zu orientieren. Der Parkplatz scheint recht nah und wir gehen weiter und klettern aus dem Canyon raus. Vorher hat Marcus noch einen Coyoten entdeckt, der wie ein Gecko die Felswände hochläuft und am Rand der Schlucht verschwindet. CIMG0159Oben am Canyon orientieren wir uns an Steinmännchen und verlaufen uns total. Wir denken unsere Fotostelle ausgemacht zu haben und überlegen schon, ob wir noch an den Salton Sea fahren sollen. Die Stelle ist nicht die Fotostelle, gefühlt liegen eine Unzahl an Schluchten dazwischen, alle Weg enden im Nichts und innerhalb der Schluchten an großen unüberwindbaren Felsstufen. Wir haben nicht mehr viel Wasser und mir geht es schlecht, ich mache langsam schlapp. Wir entscheiden uns zurück zum Leiter-Canyon beim Coyoten zurückzugehen. Irgendwie sieht plötzlich alles anders aus oder gleich aus. Wir finden einen Einstieg in den Canyon, sind aber beide nicht sicher, ob es der richtige ist. An der unüberwindbaren Felsstufe, die vorher schon mal gesehen haben, sind wir sicher, wir sind falsch. Panik macht sich breit, wir wissen nicht mehr wie wir rausfinden sollen. Das Wasser ist so gut wie leer und ich sehe keine Chance mehr hier wieder rauszukommen. Marcus wählt die Notrufnummer. Beim 3. Mal klappt es und er drückt mir das Handy in die Hand- Eine Polizistin braucht eine Weile um das Problem zu verstehen. Dann stellt sie fragen: „Wo ist euer Auto?“, „Wie weit seid ihr in den Canyon gelaufen?“, „Was seht ihr?“, „Steht ihr im Canyon oder seid ihr auf dem Rand ?“ Ich beantworte alles. Die Verständigung wird durch den starken Wind erschwert. Ich schreie in das Handy und Marcus sucht auf dem Tablet die GPS Koordinaten. Die Polizistin hält die Verbindung und sagt, dass ein Flugzeug in der Nähe ist und gleich zu hören und zu sehen sein muss. Endlich sehen wir das Flugzeug, Marcus winkt mit der Tablethülle und seinem weißen Ersatztshirt. Das Flugzeug fliegt einen Kreis um uns, fliegt weg, dreht aber wieder zu uns um und kreist dann direkt über uns. Wir können Highway Patrol lesen. Ich erzähle alles der Polizistin und dann kommt er….der Hubschrauber,CIMG0162 unsere Rettung. Die Polizistin bricht das Gespräch ab, damit der Hubschrauber Pilot uns anrufen kann. Er braucht drei Landeversuche auf dem Rand des Canyons, da der Wind so stark ist. Der Hubschrauber steht, der Copilot steigt aus und winkt uns heran. Ich bin zuerst dort und klettere über die Kufe hinein und will hinten Platz für Marcus machen. Es gibt nur einen Sitzplatz und so fliegen meine Retter Darling und Adams nur ein paar Minuten zum Parkplatz.CIMG0164

Selbst von oben kann man sich nicht orientieren, alles gleicht einem Schlucht Labyrinth. Wir landen am Parkplatz, ich laufe in gebückter Haltung zum Auto. Dort steht noch ein anderes Auto, die Besitzer von dem Auto stehen außerhalb und beobachten das Spektakel. Der Mann will mir Wasser geben und drückt mir eine Orange in die Hand. Ich erzähle dem Par von unserer ausweglosen Situation. Sie sind beide betroffen und freuen sich mit mir als der Hubschrauber zum zweiten Mal landet, diesmal mit Marcus. Auf dem Rand des Canyons war uns der Preis für die Rettung egal, es ging wirklich nur ums Überleben. Wir hielten die Kreditkarten bereit, aber die Rettung hat nichts gekostet. Wie heißt es so schön? „Die schönsten Dinge im Leben sind kostenlos!“ und hier hat es voll gestimmt.

Marcus kam mit einem Lächeln auf das Paar und mich zu mit den Worten:“ Ich wollte schon immer mal Hubschrauber fliegen!“ Der Hubschrauber stieg wieder hoch und verschwand mit unserem erleichterten Winken aus der Schlucht.

So ein Glückstag werde ich nie vergessen, Danke an die Welt nach 8 Stunden im Canyon.

Wir fahren aufgewühlt aus dem Canyon und schießen noch ein paar Fotos als Erinnerung. Auf dem Weg nach Palm Springs tobt ein Sandsturm über die Autobahn, aber auch das ist egal, ebenso unsere Sonnenbrände an den verschiedensten Körperstellen. In Palm Springs stoppen wir bei Jack in the Box und essen Salat und Burger. Geschmeckt hat es nicht, aber irgendetwas muss man ja essen. Vor dem Restaurant sitzt ein Penner mit einem Schild: „Hungry, god bless you!“ Nach dem Essen bringe ich ihm unseren Muffin und eine Dose Bier. Er bedankt sich und winkt uns mit dem halben Muffin im Mund zum Abschied zu.

In Palm Springs fotografiere ich noch Marilyn MonroeCIMG0171 und kann die Ereignisse nicht ausblenden. Wo war unser Fehler? Wir haben zusammen immer unseren Weg gefunden. Wir sind doch so erfahren. Die ganze Nacht grübele ich noch.

Was haben wir für ein Glück gehabt, plötzlich ist alles egal, Geld, Schmerzen, allein das Rauskommen zählt. Ich will mich in Zukunft nicht mehr über Kleinigkeiten aufregen, denn so eine Erfahrung lässt einen das Leben neu überdenken.

 

 

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